Romy Geßner
Management · shape UP Business 2/2019

Erfolgskonzept: Savasana

Es gibt viele Möglichkeiten, an Teambildung, Achtsamkeit oder Persönlichkeitsentwicklung zu arbeiten. Das kann man auch mal mit einer Maßnahme versuchen, die viele Fitnessstudios verkaufen. Nämlich mit Yoga. Yoga heißt Verbindung. Und Verbindung schafft Erfolg: Verbindung mit den Mitarbeitern ebenso wie Verbindung mit den Kunden.

Tine Bielecki

Wer erfolgsorientiert ist weiß, wie wichtig motivierte Mitarbeiter sind. So können Studios einen Unterschied machen. Wenn der Trainer seinen Kunden zum Sport treiben oder einem gesünderen Lebensstil motivieren soll aber selbst in diesem Moment lieber einen anderen Job machen würde, läuft etwas falsch. Aber wie gelingt es gute, motivierte Mitarbeiter zu bekommen und auch zu halten? Wie gelingt es, aus einem Potpourri aus freien Mitarbeitern ein Team zu bilden? Yogalehrerin Vanessa Maempel von Yoga2b wurde gerade für einen Teambuilding-Workshop in einem großen Studio gebucht. Sie integriert Yoga in die Businesswelt und behauptet dadurch Mitarbeiter fokussierter, belastbarer und motivierter werden zu lassen.

Fitnesstrainer sollen sich also gemeinsam verbiegen, um motivierter bei der Arbeit zu erscheinen? Klingt fast absurd. Es fängt an, Sinn zu machen, wenn man etwas tiefer in die Yogaphilosophie eintaucht. Echt? Nun mal nicht durchdrehen, oder? Vanessa Maempel schmunzelt, denn sie kann nachvollziehen, dass es sich zunächst verwirrend anhören muss, dass das gemeinsame Einnehmen von Yogahaltungen zum Erfolg im Business verhelfen soll.

„Krieger 2“ zum Erfolg

Maempel, selbst einst klassisches Konzernkind und geförderte Nachwuchsführungskraft, ist überzeugt davon, dass Unternehmer, die yogische Werte leben, erfolgreicher sind. Was macht sie nun in ihren Workshops für Unternehmen? „Ich schaffe den Transfer von yogischen Verhaltensweisen zu alltäglichen Arbeitssituationen.“ Beispielsweise lässt sie als Teambildungsmaßnahme die Teilnehmenden Balance-Übungen im Team machen. „Natürlich spüren alle schnell, dass alles einfacher wird, wenn man sich gegenseitig unterstützt.“

Theoretische Ansätze mit einer körperlichen Übung zu verbinden, führe häufig zu einem Aha-Effekt. Körperliche Übungen untermauern das, was man gerade gehört hat. Natürlich bringe auch Yoga keine neuen Erkenntnisse aber durch die körperliche Erfahrung werde vieles klarer. So wird beispielsweise versucht, zwischen den Teilnehmenden eine besondere Verbindung aufzubauen. „Eine klassische Übung: Zweierteams gemeinsam spazieren gehen lassen, ohne dass sie miteinander sprechen dürfen.“ Oder: lernen, Menschen zuzuhören, sie aussprechen zu lassen. „Für manche Menschen ist das total schwierig, andere finden es wiederum schwer längere Zeit zu sprechen ohne dass ihr Gegenüber etwas dazu sagt.“ Bei solchen Übungen geht es auch darum, mehr Mitgefühl füreinander aufzubringen. „Yoga stärkt unumstritten das Gemeinschaftsgefühl. Im Vergleich zu einem Firmenlauf, der das vielleicht auch schafft, hat Yoga aber keinen Wettkampfcharakter und das ist auch gut so. Es soll ja gerade nicht um Wettkampf gehen innerhalb des Teams.“ Als Einzelner krisenfest zu sein, sei nicht für alles die Lösung.

Yoga heißt Verbindung

Fitnesstrainer sind häufig Menschen, die viel Wert auf ihr Äußeres leben, ein großes Ego haben. Das ist in Ordnung aber ist eine Herausforderung für die Studiobetreiber. Viele verschiedene Menschen mit großem Ego auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist nicht leicht. Es gilt, ihnen beizubringen, dass es okay ist, einander zu unterstützen, sich Fragen stellen zu dürfen, wenn Unsicherheiten bestehen, sich als Team und nicht als Gegner zu sehen. Die meisten Trainer sind Freiberufler. Studios arbeiten somit mit einer Reihe von Einzelkämpfern, die nun als Team funktionieren sollen. Das ist nicht unmöglich, wenn man an den richtigen Schrauben dreht, Maempel behauptet: „Es gibt keinen Menschen, der nicht gemocht werden möchte. Und deswegen will auch kein Chef immer der Böse sein.“ Mitgefühl sei einer der wichtigsten Bausteine, für ein funktionierendes Team. „Wenn ich beginne, zu verstehen, warum mein Kollege oder mein Chef oder mein Mitarbeiter sich so verhalten hat, wie er sich verhalten hat, dann ärgere ich mich auch weniger darüber“, sagt Maempel. Dass Yoga dabei hilft, zeigt alleine schon der Name. Yoga heißt schließlich Verbindung. Und dabei geht es nicht immer nur um die Verbindung mit sich selbst, sondern auch um die Verbindung mit der Umwelt.

Der Kunde will Beständigkeit

Ein weiteres Problem für jegliche Unternehmen sei die „innere Kündigung“. So nennt Maempel das, wenn ein Mitarbeiter sich schon entschieden hat, lieber etwas anderes tun zu wollen, der letzte Schritt zur tatsächlichen Kündigung aber noch fehlt. Fachkräftemangel ist ein großes Thema in der Wirtschaft. „In einer Branche, in der keine großen Gehälter gezahlt werden können, muss ich es schaffen, die Mitarbeitenden zum Bleiben zu bewegen.“ Denn nichts sei schlimmer, als ständig wechselnde Trainer. Die Aufgabe des Studios ist, dass der Kunde sich wohlfühlt. Das hängt heutzutage stark vom Trainer ab. Gute Trainer zu bekommen und sie zu halten, ist nicht leicht. „Das Ziel des Studios muss sein, dass der Kunde nicht zum Bauch-Beine-Po-Kurs gehen möchte, sondern zum Bauch-Beine-Po-Kurs bei Anne“, sagt Maempel. Es sei möglich, behauptet sie, Mitarbeiter dazu zu bringen, das Unternehmen als das eigene zu betrachten. Und das führe automatisch zum Erfolg.

Dass Yoga zu Stressresistenz und mehr Gelassenheit verhilft, ist kein Geheimnis. Der Erfolg von Yoga ist dabei die Kombination aus körperlichen Übungen und Meditation. Yoga verhilft zu mehr Loyalität, verbesserter Produktivität und gestärktem Teamgeist. Weil diejenigen, die sich mit der Yogaphilosophie nachhaltig beschäftigen, mehr Kraft und Stärke in sich selber finden und beispielsweise lernen, dass man sich auf Dinge, die man nicht verändern kann, einlassen kann.