Beratung & Betreuung
shape UP Business 2/2019

Digitalisierung nutzen

In einem Fitnessstudio kann eine Digitalisierung in verschiedenen Bereichen vieles erleichtern. Neue Möglichkeiten der Organisation und Koordination werden geschaffen und Trainer miteinander vernetzt. Das erleichtert den Arbeitsalltag und wirkt sich letzten Endes auf die Mitarbeiter- und Patientenzufriedenheit aus.

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Technologie ändert Gesundheitsverständnis

Die Technologie hält im Alltag immer mehr Einzug. Durch Smartphones, Apps und Cloudlösungen sind Informationen überall verfügbar. Das beeinflusst und erleichtert die Kommunikation zwischen Trainer und Kunde, sowie unter den Arbeitskollegen. Es ergeben sich neue Möglichkeiten in der Art von Dienstleistung und Service. Informationen, Fachwissen und spezifische Inhalte werden in kurzer Zeit einer sehr großen Zielgruppe zugänglich gemacht und eine neue Art der Zusammenarbeit entsteht.

Kunden fordern digitale Inhalte

Das bedeutet für Fitnessstudios, dass sie es mehr und mehr mit Kunden zu tun haben, die sich online informiert haben. Daraus resultieren andere Rückfragen als früher. Die Art der Betreuung oder Kundenwünsche verändern sich.

Vor allem jüngere Patienten sind es gewohnt, Inhalte und Dienstleistungen in digitaler Form entgegen zu nehmen. Trainings- und Therapieprogramme videounterstützt auf dem Smartphone sind willkommene Leistungen, und entsprechen der Erwartungen dieser Zielgruppe. Die Kunden fühlen sich durch diese Art der Kommunikation gut aufgehoben und empfinden die Einrichtung als Kooperationspartner auf Augenhöhe. Gewisse Dienstleistungen bringen auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal mit sich. Begleitende Informationen für die Ernährung oder Übungstipps für zu Hause können wichtige Aspekte werden, die zu einer Weiterempfehlung eines Studios im Freundeskreis anregt.

Da die Digitalisierung nicht alle Bereiche eines Studios umfassen muss, stoßen Sie älteren Kunden auch nicht vor den Kopf. Ihnen kann das Trainingsprogramm, wie gewohnt in analog aufbereiteter, ausgeruckter Form angeboten werden. Durch digitale Angebote erweitern Sie also ihre Kommunikationskanäle und erschließen dadurch neue Zielgruppen.

Digitale Übungsprogrammen

Der Trainingsplan kann online erstellt und per App direkt an den Kunden übermittelt werden. Dieser kann damit alle Übungen als Video einsehen, kann seine Leistungen protokollieren und an den Trainer zurückmelden oder Fragen stellen. So können Unklarheiten beantwortet oder bei der nächsten Einheit in der Praxis gezielt beantwortet werden. Zudem kann der Trainer aufgrund der Trainingsprotokolle optimale Anpassungen im Trainingsplan vornehmen.

In Stoßzeiten können digitale Übungsreihe eine Entlastung sein. Kunden scannen einen QR-Code und erhalten eine Anleitung direkt auf das Smartphone. Der QR Code kann an den Geräten für einzelne Übungen oder auch auf einem Plakat mit Übungsreihen bzw. kompletten Trainingsplänen angebracht sein (Abb 1).

Abb 1: Plakat mit acht Übungen, die mit dem Smartphone abgerufen werden können. Sabrna Harper

Monitoring

Inzwischen gibt es Geräte und Apps, die über Kontrollfunktionen verfügen. Bewegungen und Wiederholungen werden aufgezeichnet und protokolliert. Der Trainer erhält dadurch einen Überblick, kann Resultate auswerten und Fortschritte erkennen. Auch Fehlbelastungen oder falsche Ausführungen der Übungen werden so offensichtlich. Angenommen der Kunde übt regelmäßig aber im Training sind keine Fortschritte erkennbar: Ein Blick auf das Auswertungsprotokoll gibt dann Aufschluss. Beispielsweise könnte sich daraus ergeben, dass die Übung zwar regelmäßig aber nicht korrekt durchgeführt wurde. Das Training läuft also ins Leere. Im Gespräch kann dann gezielt auf diese Aspekte eingegangen und das Training angepasst werden. Ohne Aufzeichnungsprotokoll würde das herausarbeiten der Problematik wesentlich länger dauern.

Funksender wie etwa über Bluetooth, können dieselben Aufgaben übernehmen. Der Vorteil ist, der Funksender kann per Knopfdruck mit neuem Inhalt bespielt werden. Das Prinzip „Trainingsplan des Monats“ lässt sich so super leicht umsetzen, bedeutet wenig Arbeit und sorgt für stetig neuen Content für die Kunden. Die Trainingsplänen können nach saisonalen Mottos erstellt werden und lassen sich mit Social Media Posts verknüpfen.

Digitales Marketing

QR Codes können auch zu Werbezwecken eingesetzt werden. Die QR-Codes können beispielsweise auf Merchandiseartikel angebracht werden. Die Codes benötigen wenig Platz, deshalb können Logo, besondere Angebote und ähnliches großzügig daneben platziert werden. Beim Einscannen mit dem Smartphone ist dann beispielsweise ein Promotionvideo des Studios abrufbar.

Planungstools

Dienstpläne und Zeitslots können mit Softwarelösungen online und in Echtzeit erstellt werden.

Aus Kundensicht

Kunden haben einen Zugang zu einem Terminplanungstool. Hier sehen sie dann Terminmöglichkeiten, können ggf. sogar den Wunschtrainer angeben. Terminerinnerungen, -absagen oder auch Verschiebungen können so digital, völlig transparent und ohne Manpower mit sehr hoher Zuverlässigkeit organisiert werden.

Aus Personalsicht

Bei der Erstellung von Dienstplänen (Abb. 2) kann beispielsweise das Personal nach Wunsch eingetragen werden. Jeder Mitarbeiter hat einen Zugang und kann so den aktualisierten Dienstplan jederzeit einsehen. Sollte es an einem Tag nicht passen oder der Mitarbeiter fällt aus, kann der Zeitslot wieder freigegeben werden. Je nach persönlicher Präferenz vergibt die Führungskraft den Slot an eine andere Person oder der Zeitslot wird zur freien Verfügung gestellt. Mitarbeiter können sich dann selbstständig einplanen.

Abb.2 Bei dieser elektronischen Dienstplanlösung ist der Kurs und der Trainer sichtbar. Ein Ampelsystem zeigt an, ob alles nach Plan läuft (grün) oder ob es Probleme gibt (rot), z.B. hat Aphrodite Überstunden aufgebaut. . Papershift

Zugangslösungen

In einem großen oder recht verwinkelten Studio geht schnell mal der Überblick verloren. Ist das Personal kurz abgelenkt, kann jegliche Person die Räumlichkeiten betreten. Mit einer elektronischen Zutrittsbarriere am Eingang kann Sicherheit geschaffen werden. Mitglieder öffnen die Tür oder gehen durch ein Drehkreuz indem sie einen Chip oder die Mitgliedskarte einscannen.

Dieses System kann im Studio weiter fortgesetzt werden. Ein inzwischen recht beliebtes System ist es die Teilnahme an einem Kurs per Prepaid zu verbuchen. Der Kunde lädt seine Mitgliedskarte auf und loggt sich im Kursraum ein. Je nach Dauer und Art des Kurses wird dann eine Art Teilnahmegebühr abgebucht. Kunden schätzen die Flexibilität und haben ein gutes Gefühl, da sie nur für die in Anspruch genommene Leistung bezahlen.

Erst kürzlich entschied der Europäischen Gerichtshofes, dass Arbeitgeber zukünftig die Arbeitszeiten der Angestellten systematisch erfassen müssen. Wie die Richtlinie konkret umgesetzt werden wird entscheidet nun der Gesetzgeber. Neben Stundenzetteln und Stempeluhr rücken elektronische Zeiterfassung in den Fokus. Durch ein Ein- und Ausloggen durch das Personal werden die Anwesenheitszeit direkt digital dokumentiert und Pausenzeiten erfasst. Dabei gilt: ab sechs Stunden Arbeitszeit steht dem Mitarbeiter eine Pause von 30 Minuten zu, ab 9 Stunden sind es 45 Minuten. Die Ruhezeit darf gestückelt werden, muss allerdings mindestens 15 Minuten betragen. Raucherpausen zählen zur Pausenzeit, der Toilettengang nicht.

Wohin geht die digitale Zukunft?

Es gibt Software- und Hardwarelösungen für die Kundenverwaltung, Training, Zutrittslösungen und vieles mehr. Häufig sind das bisher „Insellösungen“ oder haben noch einen Optimierungsbedarf. Erste Firmen spezialisieren sich bereits auf bestimmte Branchen und zukünftig werden Gesamtlösungen in Fokus stehen.

Da der digitale Fortschritt schnell voranschreitet, es ist wichtig sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Schon jetzt gibt es Lösungen, die sich positiv auf interne Arbeitsabläufe und die Außenwirkung der Einrichtung auswirken.

Autorin : Sabrina Harper

Dieser Artikel ist erschienen in

shape UP Business 2/2019

Erschienen am 21. Juni 2019