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Fitnessszene · shape UP Business 1/2019

Yoga als Chance

Die Trendsportart belegt Platz 7 in Deutschland und dabei sind die Möglichkeiten des Yogas nicht ausgeschöpft. Fitnessstudios können hier wirtschaftliche Chance nutzen und Alleinstellungsmerkmale generieren. Ansätze sind das Entspannungsyoga und das betriebliche Gesundheitsmanagement in Unternehmen. Beide Zielgruppen kommen bisher zu kurz.

Tine Bielecki

Auch 2019 steht Yoga auf der Liste des American College of Sports Medicin wieder weit oben. Was Yoga im Vergleich zu anderen Fitnesskonzepten unserer Zeit schafft: es hält sich beharrlich in der Top Ten der Fitnesstrends, nämlich auf Position Nummer 7 – schon seit vielen Jahren. Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Das hat viele Gründe. Zunächst einmal ist Yoga natürlich gar kein Sport. Im Ursprung ist Yoga eine philosophische Lehre aus Indien. Was für manche vielleicht abschreckend klingt, macht möglicherweise auch die Faszination aus. Yoga hat sich im Westen zu einem Mix aus Sport und Meditation entwickelt. Fitnessstudios bieten heute meist Poweryoga oder dynamischere Yogastile an. Das passt. Und doch macht es vielleicht Sinn auch über andere Arten von Yoga nachzudenken.

Es ist mit eines der Erfolgsgeheimnisse von Yoga, dass es sich immer wieder neu erfindet. Damit schafft Yoga es, wieder und wieder Leute zu begeistern. Und Fitnessstudios haben die Möglichkeit diese Menschen als neue Zielgruppe zu gewinnen. Es ist doch so: jemand, der Yoga nie ausprobieren wollte, es „langweilig“ fand, kommt plötzlich durch eine Stunde Poweryoga auf den Geschmack. Jemand, der Sport eher unangenehm findet, lernt über Antigravity-Yoga eine neue Form von Bewegungstherapie kennen. Der unter Strom stehende Manager spürt plötzlich, wie er beim Yoga Kraft tanken kann. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft (und das hat möglicherweise wiederum mit dem unter Strom stehenden Manager zu tun) profitiert vom Stretching und dem mentalen Training beim Yoga. Wer nie Aerobic machen wollte, lernt über eine Stunde Yoga Sculpt mit Kurzhanteln im Fitnessstudio Group Fitness kennen. Und das sind nur einige Beispiele für neue Spielarten des Yoga.

Drei Amerikaner

Als Trend des Jahres 2019 wird übrigens eine Mixform aus Yoga und HIIT-Training gesehen, die in Studios bereits unter den Gruppenfitness-Konzepten athelticsflow oder Bodega moves unterrichtet werden. Beides sind bereits eingetragene Marken. Der Yogastil, der am häufigsten in Fitnessstudios anzutreffen ist, ist Poweryoga. Wenn man es genau nimmt, kommt dieser Stil nicht wirklich aus Indien, sondern aus den USA. Dort entwickelten fast zeitgleich drei verschiedene Amerikaner das heute so beliebte Poweryoga. Wenngleich alle drei ihre erste Yogaerfahrung bei indischen Lehrern machten, entwickelten sowohl Beryl Bender Birch aus New York, als auch Baron Baptiste aus Boston und Brian Kest aus Los Angeles unabhängig voneinander ein Yoga, das ein bisschen an Bootcamp erinnert und dem man seine positiven Effekte absolut nicht absprechen kann. Es ist das Yoga, das sportlichen Menschen meist den ersten Kontakt zu Yoga schmackhaft macht. Viele sind sogar überrascht wie anstrengend Yoga sein kann. Die drei Amerikaner haben Bewegungen aus der östlichen Lehre mit Fitnesselementen aus dem Westen verbunden, sie entwickelten zu den typischen Asanas, also den verschiedenen Posen, die wir bei unserer Form des Yoga einnehmen, einen dynamischen Bewegungsablauf, der einerseits Kraft aufbaut, andererseits dehnt. Es ist auch das Yoga, das am meisten zu Fitnessstudios passt; alleine schon wegen der Atmosphäre.

Trend zur Langsamkeit

Poweryoga-Fans sind häufig Fitnessstudiogänger, da ihnen so manches Yogastudio zu esoterisch daherkommt. Doch immer beliebter werden auch Yin-Yogakurse, in denen Asanas für längere Zeit eingenommen werden. Der Yogastil ist eher passiv, die Dehnungen sind dafür intensiv und entspannend. Es ist mittlerweile wissenschaftlich bestätigt, dass Meditation und Entspannung gut für unsere Gesundheit sind und dass unser Alltag viel zu hektisch geworden ist. Hier könnte sich nun eine neue Zielgruppe für Studios auftun. Wer ständig auf Leistung getrimmt ist – egal ob beruflich oder im Sport, merkt eben doch irgendwann einmal, dass es gut tut, Kopf und Körper eine Pause zu geben. Das funktioniert beim Yoga. Nicht aber unbedingt beim Poweryoga.

Auch im so fitnessorientierten Los Angeles geht der Trend zum ruhigeren Yoga. Ruhe tut gut und ist extrem angenehm, wenn wir ihr erst einmal Raum geben. Vielleicht finden diejenigen, die nach Entspannung suchen aber auch eher eine Heimat im Fitnessstudio, wenn sie den ersten Kontakt zum Yoga suchen. Hier ist es wichtig, in Studios Raum für Ruhe geschaffen wird. Yin Yoga anzubieten, während nebenan zu Diskomusik auf Spinning-Rädern geschwitzt wird, macht nicht viel Sinn. Stattdessen wäre es bei solchen Kursen dienlich, wenn auch mal Teelichter brennen und Decken zum Equipment gehören. Studios, die einen Fokus auf mentale Gesundheit legen möchten, sind hier gefragt.

Werbung mit Rücken-Yoga

Dass Yoga wirksame Methode gegen Rücken- und Nackenschmerzen ist, hat sich auch wissenschaftlich bestätigt. Dabei scheinen vor allem körperbetonte Yogaformen wie Hatha-Yoga, Iyengar-Yoga oder Viniyoga wirkungsvoll zu sein. Die bislang durchgeführten Studien deuten daraufhin, dass Yoga nicht nur vorbeugend, sondern auch schmerzlindernd und heilend auf Nacken- und Rückenprobleme wirken kann. Das liegt daran, dass Yoga die Muskulatur gerade in diesen Bereichen aufbaut, was wiederum dafür sorgt, dass wir eine bessere Haltung einnehmen können. Das ist nur ein Beispiel aus der Forschung. Ein gutes aber, wenn man eine neue Zielgruppe ansprechen möchte: Jeder elfte Tag, den Beschäftigte in Deutschland im vergangenen Jahr krankgeschrieben waren, war rückenbedingt. Unternehmen, die im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagement etwas für ihre Mitarbeiter tun wollen, suchen Ansprechpartner. Fitnessstudios können hier einen Fuß in die Tür bringen. Beispielsweise können in der Mittagszeit unternehmensinterne Kurse angeboten werden. Gleichzeitig werden so auch neue Mitglieder gewonnen.

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Einfach mal anders

Für Studios gibt es viele Möglichkeiten sich durch ein spannendes Yogaangebot abzusetzen, vielleicht sogar selbst Neues zu entwickeln. Ein Mix aus Yoga und TRX, andere Arten von Functional Training und Yoga kombinieren; in den USA funktioniert auch der Mix aus Spinning und Yoga.

Es ist übrigens auch so, dass wir meist das gerne machen, was wir nicht so sehr brauchen. Sportlich orientierte rennen ins Poweryoga, ruhigere Charaktere gehen zum Yin-Yoga. Und da liegt eigentlich ein Fehler im System. Männer machen ja auch Krafttraining, Frauen gehen zu Yoga und Pilates. Dabei wäre das Richtige für die Körper eher der umgekehrte Fall. Daran ist unter anderem das Stereotyp in den Medien verantwortlich. Darin hieß es lange Zeit, Muskeln seien nur was für Männer und Yoga nur für Frauen. Dabei war Yoga in seinem Ursprung zunächst einmal Männersache. Fitnessstudios haben hier eine Chance. Yoga in verschiedenen Formen tut allen Mitgliedern gut. Man muss sie nur dazu bewegen, mal hinzugehen. Vielleicht mal mit Yin Yoga nur für Männer? Oder einer Yoga-HIIT-Kombi für alle. Oder selber einen neuen Yogatrend erfinden …