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Horizont · shape UP Business 1/2019

Wie aus Ihrem Club ein Ort zum Wohlfühlen wird

Wellness: So diffus der Begriff noch vor wenigen Jahren den meisten unserer durchschnittlichen Fitnessstudiokunden erschien, ist er heutzutage für kaum einen Club mehr wegzudenken. Wie Sie mehr Wellness recht kostengünstig in Ihrem Studio verwirklichen, verrät Ihnen jetzt shape UP-Autorin Theresa Blechschmidt.

Theresa Blechschmidt, Studioleiterin ananda, Weimar

Einst umfasste der Wellnessgedanke in vielen Fitnessstudios eine zwei Personen fassende Sauna, die in die nächstbeste freie Nische eingebaut wurde. Damit war das Thema dann auch schon gegessen. Heute wird vom Attribut Wellness inflationär Gebrauch gemacht. Der Irrglaube, Wellness sei eine Wortneuschöpfung in Form eines zusammengesetzten Kunstbegriffs aus „Well-Being“ und „Fit-ness“, hält sich wacker. Bereits im Jahr 1654 definierte jedoch Sir A. Johnston (Ld. Wariston) „Wellness“ als einen Zustand der Gesundheit und des sich gut Fühlens.

Die Wellnessinflation

Bei sehr vielen ist die Lust auf Hanteltraining & Co,. nicht eben ausgeprägt, bei ihnen gelingt Kundenbindung eher mit wellnessnahen Angeboten ESB Basic / shutterstock.com

Was wird nicht alles mit dem Zusatz „Wellness“ an den Mann und vor allem an die Frau gebracht. Vom vitaminreichen Wellnessmineralwasser bis hin zum Brainlight finden sich unzählige Produkte, nicht nur in der Fitnessbranche. Nicht wenige möchten sich mehr abmühen für den tollen Körper und die gesunde Konstitution. Angeblich wollen sie nur noch rumliegen und, ganz nebenbei, abnehmen oder Muskeln aufbauen und natürlich zeitgleich entspannen. Und ganz ehrlich? Verstehen können wir den Wunsch, ohne große Bemühungen, schlank und schön zu werden, doch sehr gut. Wir alle haben Druck, Stress und Hektik. Nur die wenigsten möchten sich dann neben Kind, Küche und Broterwerb auch noch in der gering bemessenen Freizeit einem Leistungsdruck aussetzen. Oder an ihre physischen und vor allem mentalen Grenzen gehen. Der Zweck heiligt, wie so oft, die Mittel. Warum also nicht das Fitnessclubangebot dem Kundenwunsch anpassen und Lösungen bieten, die gleichsam effektiv und dennoch sanft sind? Schließlich geht es den wenigsten unserer Kunden darum, einmal in der Bikiniklasse, bis zur Unkenntlichkeit braun angepinselt und so ausgedürrt wie möglich, auf der Bühne die Muskeln spielen zu lassen. Unsere Kunden möchten mehrheitlich etwas zum Erhalt ihrer Gesundheit, gegen Krankheiten wie Rückenschmerzen und für ihre Figur tun, ohne dabei allzu ehrgeizig sein zu müssen. Dass der Begriff „Wellness“ nicht ausschließlich Entspannung bedeutet, trifft sich dabei sehr gut. Ganz im Gegenteil. Das Wörterbuch definiert ihn als durch (leichte) körperliche Betätigung erzieltes Wohlbefinden.

Was Ihnen Wellness im Club bringt

Das Wellness-Angebot kan auch als Premiummitgliedschaft gestaltet sein, hier bietet sich der Einsatz verschieden aussehender Clubkarten an Mladen Zivkovic / shutterstock.com

Die Vorteile, die sich als Clubinhaber oder Fitnessstudioleiter durch die Implementierung eines ganzheitlichen Wellnesskonzeptes ergeben, liegen auf der Hand. Natürlich verursacht eine Umstrukturierung zunächst einmal Kosten. Wer jedoch höhere Gewinne erzielen möchte, muss zuerst einmal etwas investieren. Sie werden sich durch Ihr Angebot deutlich von dem anderer Mitbewerber und vor allem dem der Discounterfitnessketten abheben. Sie können eine höhere Preisstruktur fahren und dadurch ziehen Sie ein älteres und wirtschaftlich besser aufgestelltes Klientel an. Gemäß der Erfahrung, sind solche Kunden dem Club treuer und weisen eine niedrigere Fluktuationsquote auf, als Studenten und sozial schwächer gestellte Personen. Zudem ist die Zahlungsmoral der gut verdienenden Kunden besser und Zahlungsrückstände werden vermutlich seltener auftreten. Wenn Sie sich mit Ihren Produkten und Dienstleistungen deutlich herausheben, werden sich Ihre Mitglieder im Freundes- und Bekanntenkreis positiv über Sie und Ihr Unternehmen auslassen. Was wiederum dazu führen kann, dass Sie höhere Interessentenzahlen generieren. Nicht zuletzt können Sie für Ihre hervorstechende Leistung höhere Mitgliedsbeiträge einfordern und Ihren Umsatz steigern. Sie sollten das Hinzubuchen der Wellness-Extras jedoch nicht zur Pflicht all Ihrer Kunden machen, sondern Add Ons für die Mitglieder anbieten, die sie regelmäßig nutzen möchten. Das Hinzubuchen verbinden Sie mit einer Verlängerung der Mitgliedschaftslaufzeit. So generieren Sie sowohl einen höheren Beitrag, als auch eine längere Kundenbindung. Die Unterscheidung von Normal- und Premiummitgliedschaft kann mit Hilfe verschieden aussehender Clubkarten erfolgen. Sie brauchen, aller Erfahrung nach, nicht extra Drehkreuze und Ähnliches einbauen. Die meisten Mitglieder sind ehrlich und nutzen ausschließlich die Angebote, die sie bezahlen. Und wenn Sie doch einmal einen Nutznießer ertappen, haben Sie einen wunderbaren Grund, ein Beratungsgespräch zu vereinbaren. Natürlich mit dem Ziel, eine Vertragsverlängerung zu generieren und eine Normal- in eine Premium-Mitgliedschaft umzuwandeln.

Wellness für alle

Es bietet sich also an, den Wellnessgedanken im Fitnessclub zu implementieren. Dies sollte aber nicht nur zum Vergnügen Ihrer Kunden geschehen, sondern auch ein Vorteil für Ihre Mitarbeiter darstellen. Das erklärte Ziel dabei ist, die Arbeitsmoral, Loyalität und Bereitschaft Ihres Personals zu fördern. Nur Mitarbeiter, die zufrieden und entspannt sind, können Wellness leben, vermitteln und weitergeben. Vergessen Sie dabei aber auch nicht sich selbst! Tun Sie als Clubbetreiber etwas für Ihr eigenes Wohlbefinden? Nur wenn Sie selbst leben, was Sie anderen verkaufen wollen, wird es auf lange Sicht funktionieren und glaubhaft gleichsam bei Ihren Kunden und den Angestellten ankommen. Stellen Sie sich einen stark übergewichtigen Studiochef vor, der mit dem Mc Donalds Verpflegungspaket in der einen und einer Schachtel Marlboro in der anderen Hand in den Club kommt. Unbestritten besser ist wohl, ein positives Vorbild für die Mitarbeiter und die Mitglieder abzugeben. In einem selbst muss das brennen, was in anderen entzündet werden soll. Gleichwohl soll dies nicht bedeuten, dass jeder Clubinhaber oder Studioleiter ein austrainierter Bodybuilder sein muss. Aber das Vorleben eines gewissen fitness- und gesundheitlich geprägten Lifestyles ist selbstverständliches Pflichtprogramm. Zumindest dann, wenn man authentisch bleiben und sein Produkt bzw. seine Dienstleistung erfolgreich an die Kunden und schließlich auch an die Mitarbeiter tragen möchte.

Heutzutage kann man mehr als froh sein, gute, kompetente und mit einer gewissen Arbeitsmoral an den Arbeitsplatz tretende Mitarbeiter zu finden. Diese gilt es, ein Stück weit zu verhätscheln und zu verwöhnen. Zuckerbrot und Peitsche in einer einfühlsamen Form könnte hier der goldene Führungsstil sein. Und warum nicht den Mitarbeitern zugestehen, die angebotenen Dienstleitungen auch selbst zu nutzen. Ein Mitarbeiter, der von einem Angebot begeistert ist, wird dieses auch viel effektiver und überzeugender an die Endkunden verkaufen können, als einer, der zwar theoretisch weiß, worum es geht, aber die Erfahrung selbst nur zu Lernzwecken einmal erleben durfte.

Wie Sie Wellness in Ihrem Club verwirklichen

In nahezu allen Bereichen in Ihrem Fitnessclub können Sie den Wellnessgedanken implementieren. Die folgenden Ideen sollen Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, wie dies umgesetzt werden könnte.

Wellnessbereich/Sauna

Eine Infrarotsauna ist eine spannende Alternative zur herkömmlichen Schwitzstube – es herrschen niedrigere Temperaturen und dennoch stellen sich die Gesundheitswirkungen ein MyImages - Micha / shutterstock.com

Nehmen wir uns dem Offensichtlichen zuerst an. Aller Wahrscheinlichkeit nach verfügt Ihr Unternehmen bereits, wie die meisten Fitnessclubs, über eine Sauna bzw. einen sogenannten Wellnessbereich. Heutzutage Standardprogramm, das aber meist eher als Pflicht, denn als Kür in Erscheinung tritt. Nach dem Motto „Wir bieten es mal an, da es alle tun. Aber schließlich sind wir ein Fitnessclub und kein Wellnesstempel! Also muss dieser Bereich so wenig Kosten wie möglich verursachen“. Ein kurzfristig gedachter Plan. Oft sind es die kleinen Dinge, die Ihnen weder horrende Kosten bescheren noch einen speziell ausgebildeten Mitarbeiter benötigen, welche bereits einen positiven Unterschied für Ihre Studiomitglieder darstellen. Bieten Sie kostenfreies Wellnesswasser an. Ein paar hübsche Karaffen mit ein paar Zitronenscheiben, Melisseblättern oder Ingwerstückchen darin genügen bereits. Weitere Möglichkeiten, wie Sie Ihren Kunden ein herausragendes Wellnesserlebnis in Ihrem Club bieten können, sind:

  • Kuschelige Decken auf den Liegen im Saunaruheraum verteilen
  • Getränke und gesunde Snacks direkt im Wellnessbereich servieren
  • Installation einer automatischen Aufgussanlage am Saunaofen
  • Anbieten manuell durchgeführter Massagen
  • Massagesessel bzw. -betten
  • Automatisierte Anwendungen wie Lymphdrainagen, Kosmetische Behandlungen etc.
  • Wellnessduschen mit diversen Massageduschköpfen, Licht- und Soundeffekten
  • Infrarotkabine
  • Solarium umrüsten von einem herkömmlichen zu einem mit Zusatznutzen, wie beispielsweise kollagenanregendes Licht, Musik und Duft
  • Anbieten von frischen Masken und Peelings

Umkleide und Duschen

Einladende Umkleiden mit angenehmer Farbgebung und schickem Interieur sind auch eine Art von Wellness-Erlebnis Eviled / shutterstock.com

Sorgen Sie für angenehmes Licht in Umkleiden und Duschen. Keine Frau möchte ihre Cellulite den anderen Anwesenden unter der Tageslichtlampe präsentieren. Stellen Sie gut duftende Kosmetikprodukte kostenfrei zur Verfügung. Lassen Sie angenehme, ruhige Musik im Hintergrund laufen. Angenehme Farben an den Wänden, ein schickes Interieur und angenehme Temperaturen, sodass niemand beim Umziehen frieren muss, sollten selbstverständlich sein. Mit Regenwasserduschen statt den herkömmlichen Duschköpfen, die einem das Gefühl vermitteln, gekärchert zu werden, heben Sie sich von Ihren Mitbewerbern deutlich ab. Ein weiteres, nicht zu unterschätzendes Detail, das erheblichen Einfluss auf das Wohlbefinden nimmt, ist Geruch. Lassen Sie Duftverteiler anbringen, die für wohlige Gerüche in den Umkleiden und Toiletten sorgen. Minimieren Sie Lärmbelästigung durch Föhne. Es finden sich Geräte auf dem Markt, die leise schnurrend Haare trocknen.

Trainingsbereich

Lohnenswert für nicht Überehrgeizige– der Einsatz von Zirkelsystemen ein, bei denen Kunden nicht an ihre Grenzen gehen müssen Kotin /shutterstock.com

Auch wenn es so manch einen hartgesottenen Studiochef und Trainer an seine Grenzen des Verständnis bringen mag: Nicht alle streben nach körperlicher Perfektion und die wenigsten können eine 40 Kilo Hantel anheben, geschweige denn Bicepscurls mit ihr ausführen. Das Durchschnittsmitglied ist, klischeehaft formuliert, in aller Regel der 50-jährige, rückenschmerzgeplagte Büromensch und die dauergestresste, stets auf Diät gesetzte Verwaltungsfachangestellte, die aller Bemühungen zum Trotz doch nie dauerhaft abnimmt. Für dieses Klientel sollten Sie Trainingsmöglichkeiten anbieten, die dem Wellnessbegriff, wie er im Wörterbuch beschrieben wird, gerecht werden. Diese sollten schnell, effektiv und dennoch sanft sein, wie beispielsweise bestimmte automatisierte Zirkelsysteme und Kunden Nutzen bringen, ohne dass sich diese bis an ihre Grenzen verausgaben müssen. Eine angenehme Beleuchtung sowie Musik, also weder Radio, noch Discobeschallung runden das Trainings-Wellness-Erlebnis ab.

Kursbereich

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Implementieren Sie „Wellnesskurse“ in Ihrem Kursbereich und machen Sie diese als solche kenntlich. Ruhige Musik, gedimmtes Licht und sanfte Übungen bestimmen den Inhalt des Angebotes. Mögliche Formate sind Pilates, Yoga, Faszientraining, Meditation, Progressive Muskelentspannung sowie Autogenes Training.

Beratungs- und Testräume

Wie wäre es, wenn Ihre Interessenten während des Beratungsgesprächs auf einem super bequemen, ergonomisch geformten Stuhl oder gar auf einem Massagesessel sitzen würden? Indirekte Lichtquellen, leise Chillout-Musik, ein Wellnessdrink und ein paar Grünpflanzen sorgen zusätzlich für eine entspannende Atmosphäre.

Bistro/Fitnesstheke

Es muss nicht immer Eiweiß sein: Mit dem Ausschank von von Fruchtcocktails und dergleichen wird der Thekenbereich wellnesstechnisch aufgewertet Mangostar / shutterstock.com

Auch im Bistrobereich und an der Fitnesstheke lassen sich Wellnesserlebnisse für die Studiomitglieder schaffen. Lassen Sie hintergründig chillige Loungemusik statt Antenne (hier bitte Ihr jeweiliges Bundesland einfügen) laufen. Bei Kerzenschein und indirekter Beleuchtung kommt eher ein Gefühl der Entspannung auf, als unter Tageslichtbestrahlung. Anstelle von Eiweißshakes und Mineralgetränken, servieren Sie Wellness-, Figur- oder Fruchtcocktails, sowie Entspannungstees und Regenerationsdrinks. Gesunde Snacks, wie zum Beispiel Chiasamenpudding mit Mangopüree, Porridge mit Nüssen und Früchten oder frische Salate können Ihr Wellnessangebot abrunden.

Personal

Es gilt auch, Wohlfühlmomente für die Belegschaft zu schaffen. Wie wär's mit einem mobilen Massageservice, der regelmäßig vorbeischaut? Giorgio Rossi / shutterstock.com

Schaffen Sie Wohlfühlmomente und Wellnesserlebnisse für sich selbst und Ihre Mitarbeiter. Das stärkt die Arbeitsmoral. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, während der Pausen und in ihrer Freizeit, alle Wellnessangebote kostenfrei zu nutzen. Vielleicht können Sie eine kleine Chillout-Area mit bequemen Sitz- oder sogar Liegemöglichkeiten, angenehmem Licht und Ruhe im Pausenraum installieren. Alle paar Wochen könnten Sie einen mobilen Massageservice ins Haus holen und Ihren Mitarbeitern gratis Massagen anbieten. Zur Belohnung für gute Leistungen könnten Sie Besuche im Thermalbad in Aussicht stellen.

Die Möglichkeiten, wie Sie mit Wellnessangeboten Ihren Club attraktiver gestalten und letztendlich erfolgreicher führen können, sind beinahe unbegrenzt. Die einzigen Grenzen setzen Sie in Ihrem Kopf oder aber im Geldbeutel. Sie haben es in der Hand, ob Sie auf dem Markt als Muckibude wahrgenommen oder als einen außergewöhnlichen Ort der Entspannung, für Wellness und des Wohlfühlens gefeiert werden.