Technik · shape UP Business 1/2019

Training auf der Sonnenbank

Das Fitnessstudio und die Sonnenbank sind seit jeher gute Freunde. Weil zum einen Studiobesitzer kleinen Raum nutzen können, um zusätzlich Geld zu verdienen und zum anderen Studiogänger die Wärme des Solariums zur Regeneration nach dem Training schätzen. In den USA gibt es nun einen Trend, der tatsächlich Bräunungserlebnis und Sport miteinander kombiniert. Dort werden in den Studios Sonnenduschen eingesetzt, die ein Vibrationsprogramm beinhalten. Durch seitenalternierende Bewegungen, die den Gang simulieren, wird die Muskulatur so beim Sonnenbaden stimuliert. „Es gibt auch in Deutschland Studios, die finden die Kombination klasse. In den USA ist das vier verschiedene Trainingsprogramme beinhaltende Standgerät sogar unser meistverkauftes Gerät“, sagt Karsten Matuschka von Lichttechnik-Marktführer Ergoline. Marketing-Leiter Matuschka glaubt aber nicht, dass der Trend nach Deutschland überschwappt. „Dafür verbindet man in Deutschland mit Solarien eher Entspannung.“ Die Deutschen wollen sich beim Sonnen nach wie vor hinlegen. Auch im Fitness-Studio.

ergoline / JK-International GmbH

Unterdessen streitet sich die Forschung immer noch darüber, ob Solarien nun gesünder als natürliche Sonnenstrahlen sind. Klar ist, dass ultraviolette Strahlen (UV) die Zellstruktur der Haut verändern. In den Röhren der Solarien sind nur zu einem sehr geringen Teil die besonders krebserregenden UV-B-Strahlen. Der Bräunungseffekt wird hauptsächlich durch einen hohen UV-A-Anteil erreicht. Der ist in Solarien höher als bei natürlichen Sonnenstrahlen, allerdings nach Auskunft des Bundesamtes für Strahlenschutz ebenso schädlich wie UV-B-Strahlung.

Eine internationale Forschergruppe um Professor Dr. Jörg Reichrath, Leitender Oberarzt der dermatologischen Klinik am Universitätsklinikum Homburg, kam aber zu dem Schluss, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen maßvoller Solariennutzung und einem erhöhten Melanomrisiko gebe. Damit widersprechen die Autoren verschiedenen Berichten der EU und der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Wer nach unumstrittenem Pro für das Solarium sucht, wird aber auch fündig: einen positiven Effekt hat die Bildung von Vitamin D. Beispielsweise im Winter ist das ein Argument für die Sonnenbank. Außerdem werden Solarien positive Wirkungen auf die Psyche, auf das Sexualleben und eine heilende Wirkung auf Hautprobleme zugeschrieben.

Wer hat’s erfunden?

Die Sonnenbank hat ein Ingenieur erfunden, der zunächst einmal nur ein bisschen gute Laune für graue Herbst- und Wintertage schaffen wollte. Friedrich Wolff wollte in den 70er-Jahren ein Heilmittel gegen die Winterdepression finden. Er tüftelte monatelang in seinem Hobbykeller und wollte Sonnenlicht imitieren, um die Vitamin-D-Bildung künstlich herbeizuführen und damit einen Stimmungsaufheller schaffen. Er baute ein Bestrahlungsgerät mit einer Phosphormischung beschichteten Leuchtstoffröhren aus. Alufolie diente ihm als Reflektor. Damit schuf er im Herbst 1975 die erste Sonnenbank der Welt. Dass er damit reich werden würde, war ihm zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht klar. Bei seinen Tests riskierte er unzählige Sonnenbrände. Und verrückt: Für den eigentlichen Grund seiner Erfindung interessierte sich kaum jemand. Der Effekt Stimmungsaufheller war unwichtig, die Masse war vom Bräunungseffekt begeistert. Und so verkaufte Wolff Lizenzen für seine Geräte in die ganze Welt.

Quelle: spiegel.de