Kateika / shutterstock.com
Redaktioneller Beitrag · shape UP Business 1/2019

Keine Fitness ohne Wellness!

Alle paar Monate wird eine neue Trend-Sau durch die Studios getrieben. Doch die entpuppt sich meist schnell als Eintagsfliege. Und über all die kurzatmigen Umsatz-Klimmzüge verlieren wir immer wieder die wirklich wichtigen Entwicklungen des Marktes aus dem Auge. Gerade sind wir wieder dabei einen Zug der Zeit zu verpassen.

Der Mega-Trend der nächsten Jahre heißt nämlich Wellness. Allerdings nicht jene Wellness, die wir als alten Hut seit Jahren kennen. Eine oder zwei Schwitz-Kammern, vier bis sechs Liegen – großspurig als Sauna-Landschaft angepriesen – zwei, drei Sonnenbänke – das ist zwar alles nice to have, reicht aber schon seit mindestens fünf Jahren nicht mehr aus, den Bedürfnissen der Menschen zu genügen.

Die stehen in ihrem Alltag zunehmend unter permanentem Druck. Steigende Anforderungen im Beruf mit Überstunden und flexiblen Arbeitszeiten. Ständige Verfügbarkeit nicht nur im Job, sondern vor allem auch privat durch Social-Media-News und Whats App Bla-bla. Immer mehr Menschen verfallen in Burnout, Depressionen, Manien und Phobien. Sie suchen Entspannung und neue Energie. Wellness statt Fitness. Statt „Konsum-Wellness“ mit passiver Entspannung, Streichelmassagen und Kosmetikbehandlung geht es in der neuen Wellness-Welle um Stressbekämpfung, Work-Life-Balance, Körper-Erfahrung und Selbstverwirklichung. Die Trainingsziele heißen:

  • mehr Lebensqualität bis ins hohe Alter,
  • Gesundheit,
  • Mobilität
  • und vor allem „Energizing“.

Diese und andere Faktoren des neuen Wellness-Trends hat das Zukunftsinstitut des Trendforschers Matthias Horx in einer Studie dokumentiert, die den Begriff Wellness als Lebensqualität definiert. Denn für immer mehr Menschen lautet die zentrale Frage ihres Lebens: Woher bekomme ich genügend ‚Power‘, um die wachsenden Aufgaben zu meistern?

Die Gewinnung von Lebensenergie wird viele zum existenziellen Problem und deshalb zum zentralen Auftrag an die Fitnessstudios. Wo, wenn nicht hier können Menschen kompetente Beratung für die richtige Balance zwischen Anspannung und Entspannung erwarten. Dann dürfen die positiven Auswirkungen des Fitness-Trainings auf die Psyche allerdings nicht länger nur ein Marketing-Argument bleiben, sondern müssen erlebbare Angebotspraxis werden.

Dazu reicht die Einrichtung von Yoga- und Tai-Chi-Kursen allein nicht aus. Es braucht aber auch nicht gleich einen millionenschweren Umbau der Fitness-Anlage in eine Wellness-Oase. Das Wellness-Konzept der Zukunft fürs Fitnessstudio kann anfangen mit

  • Einrichtung einer Ruhezone mit Handy-Verbot,
  • Auszeit-Räumen in Solariumgröße mit Entspannungsliege fürs Powernapping, meditativem Musikangebot, Salzgrottenklima oder Sauerstoffdusche,
  • Selbst Brainlight-Systeme oder Massagesessel können – im wellness-gerechten Ambiente – ein glaubwürdiger Einstieg in ein authentisches Angebot des neuen Wellness-Trends sein.
  • Angebote von Time-Out-Stunden, die zu gezielter Entspannung in der Mittagspause einladen oder Wellness-Tagen, die totale Regeneration am Wochenende gestalten, können erste Schritte zur Erschließung der neuen Wellness-Zielgruppe darstellen.

Regeneration statt Muskelaufbau, mentale Fitness statt Cardio-Training, Auftanken statt Auspowern – die Bedürfnisse der Wellness-Zielgruppe lassen sich nicht durch die ausgeleierten Konzepte des letzten Jahrhunderts befriedigen. Dass es sich lohnt, diese Menschen fürs Fitnessstudio zu gewinnen, zeigen allein solche Zahlen:

  • 87 % der Deutschen fühlen sich gestresst,
  • 2,9 Milliarden Euro Krankengeld zahlen die Kassen jährlich wegen psychischer Störungen
  • Jeder Zweite fühlt sich vom Burnout bedroht

Die Wellness-Zielgruppe ist also mindestens ebenso groß wie die starken Umsatzbringer Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder Bewegungsmangel. Sich als Spezialist für aktive Wellness zu positionieren kann deshalb besonders Inhaber-geführten Studios einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Discountern und großen Ketten verschaffen.

Lassen Sie den Mega-Trend aktive Wellness nicht ungenutzt – zu ihrem Vorteil und als weiteren Beweis, dass Fitnessstudios die wichtigsten Einrichtungen des Gesundheitsmarktes gegen die größten Volkskrankheiten sind.

Das wünscht sich, ihnen und uns allen

Ihr Burkhard Lüpke

Burkhard Lüpke