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Fitnessszene · shape UP Business 1/2019

Ein echter Kraftort

Das Segment Wellness wird für Fitnessstudios immer interessanter. Für manche Clubs ist Wellness mindestens ebenso wichtig wie Fitness. Das wird schon am Beispiel eines großen Fitnessclubs im Rhein-Neckar-Kreis deutlich: Der Marktführer in der Rhein-Neckar-Region bezeichnet sich selbst als Adresse für „Wellness, Fitness und Gesundheit“ – Wellness steht also an erster Stelle. Das macht offensichtlich auch Sinn. Nicht nur, weil man heute weiß, dass Regeneration und Training Hand in Hand gehen. Studiobetreiber können mit einem Wellnessbereich höhere Mitgliederbeiträge rechtfertigen. Sie setzen sich von Discountern ab, die „nur“ Fitnessstudio sind. Gerade wer neu eröffnet oder sich neu positioniert, überlegt sich gut, ob Sauna, Solarium, Pool und Co. rentabler sind als mehr Fitnessfläche.

Kein Erfolg ohne Regeneration

Gesund trainieren ist im Trend. Und dazu gehört neben dem Sport auch die angenehme Regeneration. Für einen der weltweit größten Betreiber von Fitnessstudios gehört Wellness ganz klar zum Konzept: die Mitglieder erhalten ein ganzheitliches Fitnesserlebnis, das neben Trainingsangeboten auch Regeneration als essentielle Bestandteile eines erfolgreichen Trainings begreift. Alle Clubs in Deutschland* verfügen über einen gemischten Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Ruhebereich. Im vergangenen Frühjahr ging man einen Schritt weiter: in Hamburg eröffnete ein Club, der neben der Standard Wellness Ausstattung über eine Kneippstrecke (ein Kaltwasserbecken mit Kieselsteinen zur Fußmassage), einen Eisbrunnen (Crushed Ice-Anwendung nach dem Saunieren ), Schwalleimer (Kaltwasserbehälter) sowie einen Ruheraum und an die Kneippstrecke angrenzende Wärmebänke verfügt.

Auf das Bewährte setzen

Eine weitere international operierende Fitnessstudiokette** entwickelte in Deutschland für verschiedene Clubs eigene Saunazirkel, die zwischen 45 und 60 Minuten andauern und per Selbstanwendung genutzt werden. Die Themenzirkel mit den Zielen Detox, Weight Balance, Sleep Well, Energize sind im Saunabereich ausgehängt und für Gäste oder Mitglieder einsehbar. Die unterschiedlichen Zirkel setzen sich aus Stretching im Vitality Pool, diversen Saunagängen und Fußbädern zusammen. So besteht der Energy Zirkel zum Beispiel aus mehreren kurzen intensiven Saunagängen, um den Kreislauf in Schwung zu bekommen. Der alternative SleepWell Zirkel beinhaltet deutlich längere Saunagänge, um zur Ruhe zu kommen und entspannt ins Bett zu fallen.

Die Clubs lassen sich also auch in Sachen Wellness immer mal wieder etwas neues einfallen. Doch neu erfinden muss sich die Fitnessbranche gar nicht, wenn es um Wellnessthemen geht. Denn am besten funktioniert tatsächlich das Bewährte: Sauna und Aufgüsse und Relaxen am Pool sind auch bei luxuriöseren Clubs, die von den Mitgliedern beliebtesten und meist genutzten Wellness-Segmente.

Kurzurlaub vom Alltag

Aber nicht nur die großen Ketten setzen auf Wellness. In Gelsenkirchen eröffnete beispielsweise 2014 ein Club ganz klar mit dem Ziel, sich von den anderen Studios im Umkreis abzugrenzen. Christian und Raphael Regula (Geschäftsführer der Vita Lounge) ist das auch gelungen: „Wir heben uns mit unserem Studio sogar sehr weit von den anderen bestehenden Angeboten ab.“ Die Mitglieder zahlen hier monatlich zwischen 25 und 30 Euro und haben damit alles inklusive: Dazu zählt der Wellnessbereich mit vier Saunakabinen, Dampfbad, Kältebecken, Wärmebecken, Fußbecken, Erlebnisduschen und Ruheraum. Einen separaten Damen-Saunabereich gibt es selbstverständlich auch. „Es geht auch um die Atmosphäre. Heute will man nicht mehr nur trainieren sondern einen Kurzurlaub vom Alltag“, sagen die Regula-Geschwister. Bevor das 4000 Quadratmeter große Studio eröffnete, war schnell klar, dass ein vernünftiger Wellnessbereich dazugehören sollte. Der Wellnessbereich ist eine Einmal-Investition und die Mitglieder zahlen alle dafür, selbst wenn sie die Sauna nicht nutzen. So erübrigt sich die Frage nach der Rentabilität. Bedenkt man, was der Besuch eines Schwimmbades mit Saunalandschaft kostet, ist der Studiopreis aber auch für die Mitglieder gerechtfertigt.

Leitmesse setzt Impulse

Auch auf der FIBO, die Messe für Fitness und Bodybuilding ist Wellness mittlerweile eigenständiges Thema. Der Untertitel der Messe lautet schließlich: Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit. Dementsprechend breit aufgestellt sind auch die Aussteller und Akteure. Das Fitnessstudio wird in unserer schnelllebigen Gesellschaft mehr und mehr zur persönlichen Kraftquelle, die wir schließlich nicht mehr so leicht in der Natur finden. Wohlfühlen ist „hip“ geworden und das ist auch gut so. Im Leistungssport hat die Sauna als aktive Regeneration schon lange ihren Platz. Die muskelentspannende Wirkung fördert die Regeneration. Und weil der Mensch nicht nur beim Training sondern auch im Beruf auf Leistung getrimmt ist, ist der „Kurzurlaub“ im Studio nicht die schlechteste Lösung.

Autorin: Tine Bielecki

*bei der genannten Studiokette handelt es sich um Fitness First.

** bei der genannten Studiokette handelt es sich um Holmes Place.