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Beratung & Betreuung · shape UP Business 1/2019

Die Bedeutung der Geräteplatzierung

Wenn man einen Fitnessclub zum ersten Mal betritt, so muss sich selbst der Experte erst einmal orientieren: wie ist der Club aufgebaut und wo befinden sich die Trainingsgeräte? Kunden müssen sich beim ersten Betreten gleich mit einer Vielzahl von Fragen auseinandersetzen: wo ist der Cardio-Bereich, wo der Kursraum, wo die Umkleiden und die Toiletten. Hinzu kommt der Gerätebereich. Fällt der Blick auf die geführten Kraft- Maschinen, bleibt das Prinzip nachdem die Geräte aufgestellt im Unklaren. Dabei ist das ein wichtiges Kriterium für Kundenzufriedenheit und Studioerfolg.

Wolfgang Bahne

Ein ungelöstes Rätsel

Der Gedanke zu diesem Artikel kommt mir jedes Mal, wenn ich in einem (fremden) Fitnessstudio trainiere. In meinem gewohnten Studio fällt es mir leicht, denn ich kenne es ja, und ich weiß, wo und wie ich trainieren kann. Allerdings ist mir auch hier die Logik der Geräteaufstellung nicht ganz klar. Also habe ich nachgefragt. Die Erklärung der Angestellten war nicht befriedigend.

Ich trainiere seit über 30 Jahren in Studios und habe sogar welche betrieben. Da ich häufiger unterwegs bin, befinde ich mich sehr oft in der Situation, dass ich mich in einer Sporteinrichtung orientieren muss. Trotz meines Erfahrungsschatzes habe ich Schwierigkeiten bei der Orientierung. Kunden, die zum ersten Mal ein Sportstudio betreten geht es mindestens genauso. Der Effekt ist eine totale mentale Überforderung und Verunsicherung. Und das möchte man als Dienstleister doch eher nicht! Besonders zu Beginn geht es um Vertrauensaufbau, gute Emotionen, Fachkompetenz und Verkauf.

Dauerbelegung der Geräte

Die zweite Situation, in der ich über das Thema „Anordnung der Trainingsgeräte“ nachdenke ist, wenn ein Studiobetreiber mir erläutert, dass es in seinem Studio zu voll sei, und es schon zu Klagen von Kundenseite gekommen sei. Häufig fällt dann der Satz: „die Geräte sind andauernd belegt“. Um dem Kundenwunsch entgegen zu kommen, ziehen Studiobetreiber einen Zukauf von Geräten in Betracht.

Das kann ich auch gut nachvollziehen, geht es mir in meinem Studio ähnlich. In den Stoßzeiten sind die meisten Geräte belegt. Interessanterweise jedoch nicht durch Personen, die diese bewegen. Die anwesenden Kunden machen Pause, unterhalten sich oder spielen auf dem Smartphone. Sie sitzen dabei zwar nicht auf dem Gerät aber ihr Handtuch ist auf dem Gerät platziert. Ich nenne das Ganze gern „Mallorca-Pool Phänomen“. Sie sehen, die ganze Frage ist komplexer, als es auf den ersten Blick erscheint. Versuchen wir also ein wenig Ordnung und Systematik in die Angelegenheit zu bringen.

Kunden schauen auf ihr Smartphone und bemerken nicht, dass sie das Gerät blockieren. ESB Professional / shutterstock.com

Kalkulationen

Ein Fitnessstudio ist ein Wirtschaftsunternehmen! Diese Aussage ist eigentlich banal, wird aber häufig vergessen. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass ein Studio Gewinne erwirtschaften muss. Dies ist theoretisch betrachtet ganz einfach:Der (ökonomische) Erfolg eines Fitnessstudios bemisst sich am Gewinn.

Die einfache ökonomische Erfolgsformel lautet deshalb: Gewinn = Ertrag – Kosten

Die Erträge sind im Wesentlichen das Produkt aus Anzahl der Mitglieder multipliziert mit dem durchschnittlichen Beitrag. Das Thema „Preispolitik“ ist recht umfangreich und spielt hier natürlich auch mit hinein, wird hier aber zur besseren Verständlichkeit vernachlässigt.

Die Kosten bestehen in einem Fitnessstudio überwiegend aus Fixkosten: zum Beispiel Raumkosten, Personal- und die Finanzierungskosten der Gerätschaften. Der Rest (schätzungsweise 15% des Umsatzes) ist den variablen Kosten zuzuordnen.

Die Formel lautet also: (Mitgliederzahl * durchschnittlicher Umsatz) – (fixe + variable Kosten) = Gewinn

Der Gewinn kann gesteigert werden indem man entweder die Anzahl der Mitglieder oder den Durchschnittsbeitrag (am besten beides auf einmal) erhöht. Gleichzeitig sollten die Kosten soweit es geht gesenkt werden bzw. weniger stark wachsen als die Umsatzerhöhung.Die Fixkosten bieten ebenfalls einen Ansatz. Da die Kosten sowieso anfallen, sollte etwa die Möglichkeiten der Räume maximal ausgeschöpft werden. Das ist also eine Frage der Kapazitätsoptimierung.

Kapazitäten

Bei der Kapazitätsoptimierung sind mindestens zwei Punkte zu berücksichtigen:

  1. Verweildauer der Mitglieder an einem Gerät
  2. Verweildauer der Trainierenden auf der Trainingsfläche

Die Dauer eines Satzes beim herkömmlichen Mehrsatztraining dürfte bei circa 30-40 Sekunden liegen. Da der Trainierende zwischen den Sätzen in der Regel das Gerät nicht verlässt, sondern darauf sitzen bleibt, wird er es mindestens 4 Minuten blockieren. Nehmen wir an, der nächste Trainierende wartet bereits vor dem Gerät und möchte sofort in gleicher Weise weiter trainieren und benötigt zum Wechsel und zur individuellen Einstellung rund 30 Sekunden, so können auf diese Weise maximal 13 Personen pro Stunde an diesem Gerät trainieren.

Die Dauer eines Satzes beim 1-Satz Training bis annähernd zur lokalen Muskelerschöpfung beträgt bei 8-12 Wiederholungen etwa 60-90 Sekunden, da die Bewegungsgeschwindigkeit bei diesem Trainingsprinzip deutlich geringer ist. Wieder angenommen, der nächste Trainierende wartet und benötigt ebenfalls 30 Sekunden für den Wechsel und die individuelle Einstellung, so können auf diese Weise mindestens 30 Personen pro Stunde an diesem Gerät trainieren.

Daraus folgt: Sorgen Sie dafür, dass die Trainierenden das Trainingsgerät nach jedem Satz verlassen und ein anderes Gerät benutzen! Stellen Sie dies sicher z.B. durch:

  • Entsprechende Einweisungen und Trainingsplanung nach dem Ein-Satz Prinzip
  • Hinweisen auf den Geräten (z.B.: „Bitte machen Sie das Gerät nach jedem Satz für den nächsten Trainierenden frei“)
  • Regelmäßiges Coaching, Betreuung und Erläuterung auf der Trainingsfläche
  • Flyer zur Trainingsorganisation

Reduzierung der Verweildauer der Trainierenden auf der Trainingsfläche

Bei dem ersten Aspekt der Kapazitätsverbesserung ging es darum, wie lange die Kunden ein Gerät blockieren. Aber nicht nur der Aufenthalt an einem Gerät limitiert die Studiokapazität, sondern auch die Verweildauer im Studio insgesamt. Je länger diese ist, desto mehr andere Aufenthaltsbereiche müssen vorgehalten werden. Wenn diese Bereiche jedoch verkaufsaktive, rentable Flächen sind (Gastro, Shop etc.), so können Sie es so lassen.

Um die Wegstrecken zur Trainingsfläche zu reduzieren und die Orientierung für Neukunden zu verbessern, müssen die Geräte im Studio so angeordnet werden, wie die (meisten) Kunden trainieren.

Beim Ein-Satz-Training spricht man dann von Stationstraining, Kreistraining oder Zirkeltraining. Die Anordnung der Geräte folgt dann entweder einem Kreis, einer Straße (alle nebeneinander) oder einer Doppelstraße (die Geräte stehen sich gegenüber).

Gerätestraße A.PAES / shutterstock.com

Die Art und Anzahl von Geräten, entspricht dann den Übungen, die für die Zielgruppe vorsehen sind. In der Regel sind das acht bis zwölf Übungen. Über die Art der Geräte kann man sich heftig streiten. Ich empfehle folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Ein ausgeglichenes Ganzkörpertraining wird ermöglicht,
  • Agonist und Antagonist werden jeweils trainiert

Beispiel eines Gerätezirkels, der im Agonist-Antagonist Prinzip angeordnet ist:

  1. Leg Extension
  2. Seated Leg Curl
  3. Overhead Press
  4. Lat Pull down
  5. Vertical Chest
  6. Mid Row
  7. Lower Back
  8. Abdominal

Um in einem Zirkel (oder einer Straße) sinnvoll organisiert trainieren zu können, sind einige Regeln einzuhalten. Bei den modernen elektronischen Trainingsgeräten geht es nicht anders, bei den mechanischen muss der Trainer auf die Einhaltung der Regeln achten, sonst gibt es ein heilloses Durcheinander:

  • Der Start im Zirkel erfolgt immer am Gerät, das als erstes in der Straße platziert ist
  • Die Richtung erfolgt ausschließlich in einer Richtung (z.B. im Uhrzeigersinn)
  • An jedem Gerät wird nur ein Satz trainiert
  • Beim Verlassen der Straße oder des Zirkels sollten die Wege, der anderen Trainierenden nicht gekreuzt werden.

Diese Regeln gelten unabhängig davon, ob die Geräte im Kreis oder als Straße aufgestellt sind.

Alternative Platzierungsreihenfolgen

Geräte können auch nach Muskelgruppen aufgestellt werden. Hier ist ebenfalls das Training nach Zirkelprinzip möglich. Dann würde man mit dem sog. Vorermüdungsprinzip beispielsweise zunächst eine Butterflyübung machen und danach eine Bankdrückübung durchführen. Ob und für wen das sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt und hängt von der Trainingsphilosophie des Studios und damit von der Zielgruppe ab.

Wichtig ist, das Prinzip des wechselnden Trainingsgerätes einzuhalten, um die Wartezeiten zu reduzieren und die Kapazität eines Trainingsgerätes zu erhöhen. Natürlich gilt auch hier: Egal welches Trainingsprinzip favorisiert wird, der Kunde sollte das Trainingsgerät nach einem Satz wechseln.

Auswirkungen auf den Trainingserfolg

Die Art und Weise, d.h. nach welchem Prinzip die Trainingsgeräte aufgestellt sind, hat auch Auswirkungen auf den Trainingserfolg und damit auf die Zufriedenheit und Motivation der Mitglieder. Dies führt zu einer geringeren Kündigungsquote.

Das Schaffen von Trainingserlebnissen und -ergebnissen ist die Hauptaufgabe eines jeden Trainers. Die Aufstellung der geführten Kraft-Geräte in Zirkeln oder Straßen sowie das entsprechende Ein-Satz-Training führt dazu, dass das Training nie langweilig (vor allem, wenn man es mit der HIT Methode kombiniert) wird. Erlebnis wird hier verstanden als Wahrnehmung der eigenen Leistung, als Reaktion des eigenen Körpers auf die Belastung und die Reduktion von Langeweile durch reduzierte Wartezeiten.

Der Trainingserfolg hängt von der systematischen Umsetzung und Kontrolle der Belastungsparameter Reizhöhe, Reizumfang, Reizdichte, Reizvariation und Bewegungsqualität ab, die individuell vom Trainer festgelegt werden. Die genannte Aufstellung der Trainingsgeräte in Zirkeln oder Straßen unterstützt die Einhaltung der

Belastungsparameter, vor allem in Verbindung mit dem Ein-Satz Trainingsprinzip. Die möglichen kurzen Pausenzeiten ermöglichen eine höhere Reizdichte und damit verbunden eine optimalere Steuerung der Belastungshöhe. Dies wird durch moderne elektronische Trainingsgeräte umgesetzt, mit ein wenig mehr Mühe und Aufmerksamkeit gelingt dies aber auch an herkömmlichen Geräten.

Die Einhaltung der im Trainingsplan vorgegebenen Belastungsparameter ist eine immerwährende Aufgabe des Trainingspersonals.

Fazit

Es sollte deutlich geworden sein, dass die Aufstellung vor allem der geführten Kraft- Trainingsgeräte aus Kundensicht und aus ökonomischer Sicht erfolgen sollte. Sie sollten

  • die psychische Verfassung neuer Kunden entsprechen und die Orientierung erleichtern
  • die Aufenthaltsdauer der Trainierenden im Studio durch die Reduzierung unnötiger Wegezeiten abkürzen
  • die Aufenthaltsdauer der Trainierenden an einem Trainingsgerät durch ein effizienteres Trainingsprinzip reduzieren
  • höhere Kundenzufriedenheit durch ein effektives und weniger eintöniges Training ermöglichen