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Management · shape UP Business 1/2019

Dein Produkt: Fitness

Scrum ist ein Tool aus dem Projektmanagement, welches inzwischen in Konzernen aber auch mittelständischen Unternehmen umgesetzt wird. Dabei werden Tätigkeiten in so genannte Spints unterteilt. Wie das Ganze in einem Fitnessstudio anzuwenden ist, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Jan Ohle

Agil und Scrum

„Agil“ und „Scrum“ sind aktuell der Modetrend in mittelgroßen bis großen Kapitalgesellschaften Die Begrifflichkeit Scrum kommt eigentlich aus der Sportart Rugby, und beschreibt einen Spielzug, bei dem sich beide Mannschafften verhaken, als zwei Knäule aufeinandertreffen und um den Ball kämpfen.

Der Name Scrum steht aber auch für eine Art des Produktmanagements, welche tatsächlich von dem Rugby Spielzug abgeleitet wurde, da man mit dieser Methode, ähnlich wie beim Rugby, im Chaos die Kontrolle behält.

Agil oder agile bezeichnet im Grundsatz ein Mindset, welches auf konstanter Anpassung, Transparenz, Kommunikation und Teamarbeit basiert. Dies ist für Unternehmen dahingehend interessant, da diese Grundsätze es ermöglichen in immer komplexeren anspruchsvolleren Marktverhältnissen flexibel zu bleiben.

In den 90ern hat sich in der IT-Branche aus einer agilen Basis ein Produktmanagement Framework namens Scrum entwickelt. Die vorherig genutzte Methode hatte nämlich die Angewohnheit kein Zieldatum einzuhalten und das Budget zu überziehen. Diese alte Methodik erinnert vom Aufbau stark an die Trainingspläne und die Zielsetzung, welche wir heute im Kraftsport nutzen.

Wir setzten uns für Monate im Voraus Stichtage, wann wir was erreicht haben wollen. Sei es Abnehmen, Muskeln aufbauen, höher springen, schneller laufen, einen Handstand erlernen oder das doppelte unseres Körpergewichtes auf der Bank drücken. Dafür erstellen wir uns einen schönen Jahresplan, der wie ein Wasserfall herunterfließt und in der Theorie alle ToDo’s abhakt. Dann folgt die Umsetzung und nichts funktioniert. Gründe gibt es viele: Vielleicht können wir unser Trainingsregiment nicht einhalten, da das abendliche Training sich mit unserer Familienzeit schneidet. Oder wir schlecht geschlafen haben, der Arbeitsstress unsere Regeneration beeinflusst oder wir der sonntäglichen Pizza doch nicht wiederstehen können. Genau dann kommt Scrum ins Spiel.

Scrum Framework

Das klassische Scrum Framework basiert auf drei verschiedenen Teammitgliedsgruppen, welche gemeinsam als Gruppe arbeiten und in verschiedenen Events einen ständigen Anpassungs- und Verbesserungsprozess durchlaufen. Das Ziel ist es in sogenannten „Sprints“, ein fertiges Inkrement des Produktes bzw. des Zieles zu liefern. Für unseren Fall passen wir die Teams und die Events natürlich der Situation im Fitnessbereich an.

In dem Scrum Framework beginnt alles mit dem songenannten Product Owner. Das sind in diesem Fall sie, ihr Arzt oder ihre Trainer. Der Product Owner stellt normalerweise ein Product Backlog zusammen, in dem alle Funktionen, die das spätere Zielprodukt haben soll stehen. Er ist also für die Zukunftsvision zuständig und behält die Ziele im Auge. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass der Product Owner auch fachliche Kompetenzen besitzt, welche er stetig ausbaut, um ein vernünftiges Product Backlog aufzustellen.

Angenommen Sie sind der Product Owner: dann schreiben Sie nun all ihre Ziele auf, die Sie erreichen möchten. Sei es die Prozentangabe, die Sie an Körperfett abnehmen möchten, oder die verbesserte Leistung während einer Übung.

Priorisieren sie nun ihre Zielliste nach ihrer persönlichen Wichtigkeit. Stellen sie sich dabei die Frage, welcher entscheidende Aspekt macht alles leichter?

Beispiel: Klaus möchte 25 Kiogrammabnehmen, seinen Blutdruck senken, und etwas gegen seine Rückenschmerzen tun.

Die eine Sache die Klaus machen könnte, die alles andere leichter oder irrelevant macht, wäre in diesem Fall das Abnehmen.

Ist die Liste nun priorisiert, werden die übergeordneten Ziele auf Gewohnheiten und monatlich erreichbare Ziele gescannt und zergliedert. So sind beispielsweise Ess-, Schlaf- und Sportgewohnheiten ganz klar entscheidend für das körperliches Wohlbefinden.

Beantworten sie sich also folgende Fragen:

  • Was ist die eine Ess-/Sport-/Schlafgewohnheit, die Sie sofort streichen könnten, sodass sie ihre Ziele schneller erreichen?
  • Was ist eine Ess-/Sport-/Schlafgewohnheit, die Sie sofort implementieren könnten, um ihre Ziele besser zu erreichen?

Wenn sie die Frage nicht beantworten können, dann stellen sie sich die Frage, was sie machen können, um die Fragen zu beantworten.

Wenn sie alle Gewohnheiten aufgeschrieben, haben, beginnen Sie erneut mit deren Priorisierung. Wählen Sie die wichtigste Eigenschaft als realistisches Umsetzungsziel für zwei bis vier Wochen. Sind die Ziele zu groß für vier Wochen, so setzten sie sich Staffelziele.

Beispiel: Klaus weiß, dass es unmöglich ist 25 Kilogramm in vier Wochen abzunehmen, und setzt sich deshalb das realistische Ziel in vier Wochen drei Kilogramm abzunehmen.

In Scrum nennt man dieses Verfahren „Sprint Planning Meeting“. Neben dem Product Owner treffen sich noch die anderen Teammitglieder. So gibt es noch den Scrum Master und das Development Team.

Das Development Team ist dafür verantwortlich, dass die Sachen, die im Sprint Planning Meeting besprochen wurden, auch umgesetzt werden.

Der Scrum Master besitzt grob gesagt die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Probleme, die während der Zielerreichung auftreten, gelöst werden. Er sorgt außerdem dafür, dass das Development Team gut zusammenarbeitet und das Scrum Framework mit all seinen Events eingehalten werden. Der Scrum Master ist also Ansprechpartner und Problemlöser aber kein Vorgesetzter. Als Scrum Master könnte zum Beispiel ein extra dafür engagierter Personaltrainer an, welcher mit seinem Know-How tatkräftig zu Seite steht. Aber auch ein Trainingspartner, ein Freund oder die Familie kann die Rolle bedienen. Der Scrum Master sollte in täglichen Meetings, die in der Regel nicht länger als fünfzehn Minuten gehen, erreichbar sein. In diesen Meetings, welche Daily Scrum genannt werden, stellt er drei Fragen, die ehrlich beantwortet werden:

  1. Was haben sie gestern gemacht um ihr Ziel zu erreichen?
  2. Was wollen sie heute machen um ihr Ziel zu erreichen?
  3. Was für Probleme sind aufgetreten, die die Erreichung des Zieles verhindern könnten?

Durch diese täglichen Fragen ist eine flexibele Reaktion möglich und (hinderliche) Angewohnheiten können bearbeitet werden.

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Nach dem Sprint

Nach den zwei bis vier Wochen, also am Ende des Sprints folgt das Sprint Review. Darin wird geprüft ob alle Ziele erreicht worden sind. Darauf folgt das Sprint Retrospective Meeting. Hier setzten sich das Developement Team und der Scrum Master und ggf. Product Owner zusammen und besprechen, ob Begebenheiten im Product Backlog geändert werden sollten. Außerdem wird analysiert, was in dem Sprint gut lief, was schlecht lief und was man tun kann, um die Umsetzungen zu verbessern.

Nach dem Sprint Retrospective Meeting und allen Anpassung, folgt wieder das Sprint Planning Meeting und der nächste Teil des Product Backlogs wird für vier Wochen bearbeitet. Zwischen dem Retrospective und dem Planning Meeting sollten keine Tage vergehen, sondern das Erfahrene wird direkt wieder in die Planung miteingebaut. So wird ein durchgehendes Zielerarbeiten sichergestellt und Fehlerquellen minimiert.

Beispiel: Klaus hat das Ende seines Sprints erreicht, er hat jedoch im Sprint Review gemerkt, dass er nur 2,3 Kilogramm anstatt der anvisierten dreiKilogramm abgenommen hat. Im RetrospectiveMeeting konnte er mit seinem Personal Trainer evaluieren, dass sein Kalorienverbrauch niedriger ist als eigentlich kalkuliert. Diese Erkenntnis wird nun im nächsten Sprint planningMeeting beachten.

Abb. 1: Komplette Visualisierung des klassischen Scrum Frameworks

Quelle: Wikimedia

Scrum und Fitness

Scrum im Fitnessbereich birgt mehrere massive Vorteile. Rückschläge zu alten Angewohnheiten können reduziert werden, da der Aufwand zur Selbstkontrolle, aufgrund der kurzen zeitlichen Sprints, leichter fällt. Durch die Visualisierung des Product Backlogs und den täglichen Meetings ist eine sofortige Ansprechperson greifbar, die Feedback gibt. Pläne und Gewohnheiten werden zeitnah adjustiert. Der Fokus ist auf die wichtigsten Prioritäten eines erreichbaren Zieles gesetzt. Das bringt auch Motivation mit sich.

Das Tolle ist, dieses Framework eignet sich auch fürs Gruppentraining im Fitnessbereich, zur Haushaltsplanung mit der Familie, zur Rehabilitation von Unfallopfern, interdisziplinären Behandlungen von Krankenhauspatienten oder auch zum Schreiben eines Artikels für das ShapeUP Magazin.

Glossar

Product Owner = Person die die die Ziele setzt

Development Team = Personen die die Ziele umsetzen

Scrum Master = Coach & Zuständig für die Methodik

Product Backlog = Liste mit allen Zielen

Sprint = 1 bis 4-Wöchige Arbeitsphase

Sprintplanning meeting = Planung des Sprints

Daily Scrum = 15-minütiges tägliches Team meeting

Sprint review = schauen ob man die Ziele erreicht hat

Sprint retrospective = Rückblick & Verbesserungs Meeting auf den Sprint