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Beratung & Betreuung · shape UP Business 1/2019

Auch Stressabbau ist Wellness

Stress ist überall präsent und seine Langzeitfolgen oft dramatisch. Viele der Erkrankungen können durch ein zu viel an Stress verursacht oder begünstigt werden. Auch der Erfolg im Fitnessstudio bleibt vom Stress nicht unbeeinflusst, denn er senkt beispielsweise die Motivation. Wer dem entgegenwirkt und stressabbauende Angebote für seine Kunden schafft, kann das Potential für die steigende Anzahl der Betroffenen für sich nutzen. Und das ohne zwingend in kostspielige Wellness-Landschaften investieren zu müssen.

Tim Kirschner

Egal ob Stau auf dem Weg zu einem dringenden Termin, die näher rückende Deadline bei der Arbeit oder der Konflikt mit dem Partner zu Hause – Stress gehört für viele zum täglichen Leben. Während unsere schöne, moderne Welt uns zwar der Sorge über die Nahrungsbeschaffung oder der Bedrohung durch Fressfeinde entbunden hat, haben wir heute mit vielen psychischen Stressauslösern zu kämpfen. Mit der Zahl der von Stress und Burn-Out Betroffenen wachsen auch die konjunkturellen Aussichten für Kurs- und Trainingskonzepte, die anstreben, der neuzeitlichen Volkskrankheit Grenzen aufzuzeigen.

Gefragt sind also Angebote, die den Stress lindern, oder zumindest den Umgang mit diesem erleichtern. Die Tourismusindustrie, die stets auf der Suche nach Trends ist, um sie in lukrative Produkte zu pressen, hat sich schon vor Jahren dem Wohlergehen der Menschen zugewandt, berichtet etwa die WirtschaftsWoche. Sie schreibt: „Wellness lautete das Gebot der Stunde. Seither ist ein Spa Pflicht als säkularer Tempel für den Gast, der kaum noch ohne fremde Hilfe entspannen kann“.

Was die Tourismusindustrie vormachte, hat in der Fitnessbranche längst viele Nachahmer gefunden, auch wenn die finanziellen und räumlichen Möglichkeiten oft nur kleinere Lösungen erlauben. Primär geht es halt bei vielen immer noch um die klassische Fitness, nur wenige Anbieter warten mit Wohlfühl-Oasen auf, die sich mit denen der gehobenen Hotellerie messen können. Wer sich einem Fitnessstudio zuwendet, um Stress abzubauen oder zu bekämpfen, wird diesbezüglich in der Regel auch realistische Erwartungen haben. Diesen gerecht zu werden, ist das Kunststück.

Um mit Anti-Stress-Angeboten punkten zu können, ist eine Kenntnis der Materie zwingend erforderlich

Stress kann viele unterschiedliche Formen und Facetten annehmen und ist abhängig von Alter und der individuellen Stressresistenz. Prinzipiell gerät unser Organismus immer dann unter Stress, wenn die Anforderungen unserer Umwelt, die eigene Kapazitäten übersteigen. Zwar ist der Begriff „Stress“ in unserem Sprachgebrauch nahezu ein Synonym für all die negativen Dinge, die uns gerade plagen, doch genau genommen ist das nicht richtig. Stress kann durchaus auch etwas Gutes haben. Je nach Wirkung auf den Organismus unterscheidet man zwischen in Eustress (positiv) und Destress (negativ). Während sportliche Betätigung unseren Körper zwar über das normale Maß hinaus fordert, ist das daraus resultierende Ergebnis gut für uns. Ein wichtiger Aspekt: Denn nicht wenige Studios setzen als Stresshemmer ausschließlich auf Entspannung. Dass es auch eine Klientel gibt, die mit Auspowern, die Alltagslast besser bewältigt, wird im Zusammenhang mit Anti-Stress-Angeboten gerne übersehen oder nicht oder zu wenig kommuniziert.

Auch eine Teilnahme an Powerkursen kann ein Wellness-Erlebnis sein Admiral / shutterstock.com

Ebenfalls wird oft versäumt, den Stress als limitierenden Faktor zu erfassen, der den Erfolg im Studio zunichtemachen kann. Wir gehen, wenn Kunden nicht explizit darauf hinweisen, davon aus, dass diesbezüglich keine Probleme vorhanden sind. Dabei hat mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland häufig Stress, Tendenz steigend.

Das Studio kann auch ohne oder mit nur geringen Investitionen für ein Wellness-Feeling sorgen

Gestresste Kunden sind an einer geminderten Leistungs- und Regenerationsfähigkeit zu erkennen. Wenn wir ein Gespür dafür entwickeln, birgt die Zahl der Gestressten für Fitnessstudios ein deutliches Potential. Sport ist, siehe oben, nach wie vor ein beliebter Ausgleich gegen die Sorgen des Alltags. Wer seinen Kunden die richtige Beratung und ein entsprechendes Angebot bieten kann, sorgt nicht nur für mehr Zufriedenheit, sondern kann sich gleichzeitig über mehr Zulauf und gesteigerte Einnahmen freuen.

Stressabbau-Klassiker: die Yogaklasse im Fitnessstudio Sketchphoto / shutterstock.com

Die Rolle als Problemlöser und Wissensvermittler sollte sich dabei sowohl über den Trainings- als auch den Kursbereich ziehen und kann natürlich auch mit Spa-Angeboten nach Art der Hotellerie ergänzt werden. Aber konzentrieren wir uns abschließend auf die Kernkompetenz eines klassischen Studios. Mit einer entsprechenden Lifestyle Analyse (z. B. neben Stress auch Rauchen, Alkohol, Schlafgeohnheiten, Ernährung und soziales Umfeld) und dem Anbieten praktischer Lösungsvorschläge innerhalb und außerhalb der Studiowände, wird der Grundbaustein einer guten Trainingsberatung gelegt. Tipps zu Atemtechniken, Schlafhygiene und eine gezielte Ernährungsberatung können als zusätzliche Angebote im Studio integriert werden, um dem Stress der Mitglieder auf den Leib zu rücken. Der Kursbereich bietet auch eine Vielzahl an Möglichkeiten zur aktiven Stressbekämpfung. Kurze Powerkurse, Yoga oder Mediationsworkshops helfen Kunden im Umgang mit Stress und können die Gesundheit wieder auf die richtige Bahn führen.

Hintergrundwissen:

Die Stressantwort des Körpers

Während eine hochfordernde sportliche Betätigung stresstechnisch oft positive Wirkungen zeitigt, sind andauernde Sorgen, etwa über anstehende Hypothekenzahlungen oder dergleichen stets eine ungewollte Belastung. Für den Menschen ist es dabei im Übrigen egal, ob ein Stressor real oder fiktiv ist. Dank unserer Fähigkeiten abstrakt zu denken können wir rein über unsere Vorstellung so viel Stress erzeugen als wären wir einer realen Bedrohung ausgesetzt. Ob real oder hypothetisch, die Antwort unseres Körpers ist die Gleiche.

Geraten wir in eine stressige Situation ergreift unser Gehirn direkte Maßnahmen, um unsere Leistungsbereitschaft zu erhöhen und unser Überleben zu sichern. In diesen akuten Stresssituationen durchläuft unser Körper eine Phase der erhöhten Alarmbereitschaft, in der wir entweder kämpfen (fight) oder flüchten (flight) werden. Durch die ausgeschütteten Stresshormone wie beispielsweise Adrenalin und Cortisol stehen dem Körper mehr Ressourcen zu Verfügung. Unterdrückt werden hingegen, für den Moment überflüssige Prozesse, wie etwa die Verdauung und die Produktion von Antikörpern. Haben wir die Krise erfolgreich gemeistert kehrt sich der Zustand um und wir leiten die Regenerationsphase ein.

Während unser Körper für solch akute Stresssituationen bestens gewappnet ist, sind es vor allem die lang andauernden Stressphasen die unsere Gesundheit bedrohen. Vor finanziellen Problemen kann man schließlich nicht so einfach davonrennen. Hoher und dauerhafter Stress hat sowohl Auswirkungen auf die körperliche wie auch die psychische Gesundheit. Stress lässt Menschen schneller altern, er macht krank und dick und kann im schlimmsten Fall schwere Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes begünstigen.